Kleine Weinreise durch die Provence

August 1, 2018

Unter diesem Motto wurden am 15. Juli 2018 in mediterranem Ambiente bei uns im Garten in Birkweiler provencalische Weine verkostet. Dazu gab es Informationen zur Region und kulinarische Häppchen.

Jeder wirklichen Reise geht eine Fantasiereise voraus – und eine solche Fantasiereise wollten wir unseren Gästen bieten. Die Vorstellung, unter Platanen zu laufen, den Duft von Lavendel, Thymian und Rosmarin einzuatmen und den Geschmack des Essens und vor allem der Weine am Gaumen zu spüren, war das Ziel des Abends.

DIE „Provence“ gibt es eigentlich nicht. Natürlich gibt es eine historische Provence, eine für die Verwaltung geschaffene Provence, eine für das Weinrecht eingegrenzte Provence – es gibt aber auch eine Provence, die – gerade weil sie recht groß ist - jeder ein Stück weit für sich definieren kann. Wir haben eine Definition für uns und für diesen Abend gefunden – und auf diese Reise haben wir unsere Gäste mitgenommen.

Begonnen haben wir mit einem Aperitif, der typisch für die Provence ist und in vielen Familien nach eigenen (geheimen) Rezepten getrunken wird: der Vin d’orange ist ein mit Bitterorangen aromatisierter Wein. Die Basis bildet in unserem Fall ein Spätburgunder Rosé aus Birkweiler. Wir haben ihn bereits 2010 bereitet und abgefüllt. Er war ein wahrer Genuss zu unserem Käseküchlein à la Sophie und hat uns gereift fast besser geschmeckt, als in seiner jungen Variante. Die Aromen und die Säure des Weins haben sich mit den Aromen der Pomeranzen zu einem harmonischen Gefüge zusammengetan.

Zwei Weißweine haben wir für den Abend ausgesucht und sie zur Tapenade noir und verte gereicht. Der erste Wein, ein 2017er Château la Canorgue Blanc aus dem Weingut Château la Canorgue in Bonnieux (AOC Luberon) war eine Cuvée aus Rousanne, Marsanne, Clairette, Grenache blanc, Bourboulenc und Vermentino. Die unterschiedlichen Rebsorten haben ihre jeweiligen Stärken in die Cuvée eingebracht – die stilvolle Rousanne ihre eleganten blumigen Noten, die kräftige Marsanne ihr florales und haselnussartiges Bukett sowie den reichen Extrakt und Körper, die jung zu trinkende Clairette den Alkohol, die Grenache den runden Geschmack und den langen Nachhall, der Bourboulenc die Frische und Säure und der Vermentino das intensive fruchtige Aroma. Das Château la Canorgue liegt im Herzen des Nationalparks Luberon, unweit des Dorfes Bonnieux. Es ist seit über 200 Jahren familiengeführt – derzeit von der vierten und fünften Generation gemeinsam, vom Vater Jean Pierre Margan mit seiner Tochter Nathalie. Sie bewirtschaften 40 ha und wurden bereits in den 70ziger Jahren als erstes Weingut im Luberon als biologisches Weingut zertifiziert. Das Durchschnittsalter der Reben liegt bei 40 Jahren. Produziert werden durchschnittlich 15-30 hl/ha.

Der zweite Weißwein – ein 2017er Viognier von der Ferme Saint-Pierre in Flassan, unterhalb des Mont Ventoux. Da die AOC Ventoux keinen reinsortigen Viognier erlaubt, wird dieser Wein als Vin de Pays de Vaucluse vermarktet. Die Ferme Saint-Pierre ist seit 2013 ebenfalls biozertifiziert und hat 25 ha im Besitz. Paul Vendran legt Wert auf sorgfältige Arbeit im Weinberg und im Keller, um einfache, ehrliche Weine mit einem typischen Fruchtausdruck zu erhalten. Der Ertrag ist reduziert auf 40 hl/ha. Der goldgelbe Wein hat zarte florale Noten sowie ausgeprägte Aromen von Aprikosen und Pfirsich sowie etwas Mandel – typisch für die Rebsorte Viognier. Ebenso typisch für die Rebsorte ist der Alkoholgehalt von 14,5 %vol., der jedoch nicht vordergründig schmeckbar ist. Im Mund ist der Wein aromatisch, rund, voll, vielleicht etwas fett, aber er besitzt auch eine angenehme Frische. Ein typisch südlicher Viognier.

Drei verschiedene Rosé-Weine gibt es zu den Auberginen nach Madame Cheynet, eine Wahl-Provencalin und zauberhafte Köchin. Die Auberginen sind im Backofen zusammen mit Zwiebeln, Speck und Tomaten zubereitet. Der erste Rosé ist ein Wein aus einer Winzergenossenschaft, die in der Provence häufig vertreten sind und oft gute Weinqualitäten anbieten: 2017er Petula von der Winzergenossenschaft Marrenon in La Tour d´Aigues. Vermarktet wird der Wein als AOP Luberon. Er besteht aus den Rebsorten Syrah und Grenache. Die Winzergenossenschaft verfügt über eine Fläche von 4.200 ha und hat ca. 650 Mitglieder. Die Weinberge liegen in Höhe von 160-450 m und reifen wegen der Tag/Nacht-Temperaturunterschiede relativ langsam. So entstehen elegante Weine mit einem frischeren Profil. Die Trauben für den Petula werden in der Nacht – wegen der dann herrschenden niedrigeren Temperaturen – geerntet. Es erfolgt ein Mostabzug (Saignee-Verfahren) und eine anschließende Gärung bei 16°C. Der Ausbau erfolgt auf der Hefe über vier Monate mit regelmäßiger Bâtonage. Der Wein ist rosa mit lachsfarbenen Reflexen. Die Aromen erinnern vordergründig an Erdbeeren und Himbeeren - begleitet von den würzigen Noten des Syrah. Im Mund kommen Johannisbeeren und auch etwas Mango hinzu.

Als zweiter Rosé wird der 2017er Autan von Aureto in Gargas (AOP Ventoux) serviert. Die Reborten sind Grenache und Cinsault. Das Weingut besteht seit 2006 und beheimatet auch ein 5Sterne-Hotel. Die Rebfläche beträgt 36 ha; es werden 15 verschiedene Rebsorten angebaut. Der Autan wird aus 20 Jahre alten Reben erzeugt. Die Trauben werden wegen der Hitze am Tag am frühen Morgen geerntet, um die Frische zu bewahren. Sie werden entrappt, schonend zerkleinert und in einer mechanischen Presse mit geschlossenem Korb  gekeltert. Der Wein ist blassrosa und besitzt eine feine Nase mit fruchtigem Bonbonaroma. Die Aromen der Nase setzen sich am Gaumen fort, es kommt ein dezentes Mandelaroma hinzu. Cinsault hat wenig Gerbstoffe, wodurch der Wein sehr frisch und aromatisch, aber auch äußerst harmonisch und rund wirkt.

Der dritte Rosé kommt ebenfalls aus dem aus dem Weingut Château la Canorgue: 2017er  Château la Canorgue Rosé (AOC Luberon), bestehend aus Grenache, Syrah und Mourvedre. Pinkfarbener Wein mit reicher Aromatik von Walderdbeeren und roten Johannisbeeren. Frisch, elegant mit anhaltendem Nachhall.

Rot wird es beim Rindfleischtopf à la Daube. Als ersten Wein servieren wir von der Winzergenossenschaft Marrenon den 2016er Orca Vielles Vignes (AOP Ventoux). Die Rebsorten sind Grenache (90%) und Syrah (10%). Der Ertrag für diesen Wein beträgt 28 hl/ha. Die Reben sind 60 Jahre alt. Der Ausbau erfolgte 12 Monate im Barrique, in Fässern, die überwiegend zwischen einem und vier Jahren alt waren, 10% waren neu. Die Aromen wirken reif, erinnern an Erdbeeren, Kirschen, Cassis und Tabak. Die Tannine sind weich und eingebunden.

Der 2016er Quintessence vom Château Pesquié in Mormoron (AOP Ventoux) bestehend aus Syrah (80%) und Grenache (20%) bietet das umgekehrte Verhältnis der beiden Rebsorten im Vergleich zum Orca (s. o.). Der Wein wurde zu 40% in neuem Barrique und zu 60% in Barrique-Fässern der 2- bzw. 3-Belegung ausgebaut. Der Wein hat ein dunkles Purpur und Aromen von schwarzen Beeren (Weichselbeeren, Cassis), mediterranen Kräutern (Thymian und Rosmarin) sowie Röstaromen (Toast, Espresso). Am Gaumen kommen Süßholz und schwarzer Pfeffer hinzu. „Pesquié“ bedeutet Fischteich und bezieht sich auf Wasser und Quellen, die in der trockenen Provence sehr wichtig sind. Als Zeichen dafür stehen auf dem Weingut 15 Brunnen sowie drei Springbrunnen.

Der 2009er Les Eydins „K à part“ vom Château les Eydins in Bonnieux (Vin de Table de France) besteht zu 100% aus Carignan. Der gereifte Wein besitzt ein tiefes rubinrot. Die Nase ist komplex und duftet nach Garrigue, Thymian, gekochten Früchten und Tapenade. Am Gaumen ist er würzig, üppig und konzentriert mit einer unglaublichen aromatischen Persistenz. Manuell geerntet wurden die Trauben traditionell bearbeitet und gärten 30 Tage auf der Maische. Danach kam der Wein für 12 Monate ins große Holzfass.

Den krönenden Abschluss zum Dessert – zunächst mit einem Duett von Feigen und Ziegenkäse (figue au chevre) und einem anschließenden Lavendelplätzchen mit Honigeis (lavande et miel) – bildete der 2016er Muscat de Beaumes de Venise von der Domaine des Bernardins in Beaumes de Venise (AOC Beaumes de Venise). Er besteht aus Muscat à petits grains blancs und noirs. Ein Vin Doux Naturel mit Trauben, die einen Mindestzuckergehalt von 252 g/l haben müssen. Die Gärung wird abgestoppt durch Zusatz von Alkohol, wenn der Most bei 5-10%vol. liegt. Die Weine müssen einen Mindestalkoholgehalt von 15%vol. und einen Mindestzuckergehalt von 100 g/l besitzen. Die Domaine des Bernardins ist bei uns eher unbekannt, gilt aber in der Region als Spitzenerzeuger. Sie ist seit fünf Generationen im Besitz der Familie Castaud. Die Farbe des Weins geht ins rosa; er ist süß, aber nicht klebrig und hat eine angenehme Frische. Die ausgeprägten Fruchtaromen erinnern an Trockenobst, vor allem an Aprikosen und Rosinen.

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